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Schweinefleisch, halal, koscher & Co Beliebt

Schweinefleisch, halal, koscher & Co

Wo Menschen mehrerer Kulturen und Religionen miteinander essen, wird die Speisenauswahl zur Herausforderung – besonders mit Blick auf Fleisch. Kleinster gemeinsamer Nenner sind vegetarische Gerichte, doch es geht auch mit Fleisch und Wurst. Der Baustein erklärt die Hintergründe und sucht Lösungen für ein Miteinander, das allen schmeckt.

Viele Kulturen – ein Tisch

Viele Menschen machen sich Gedanken über das, was sie essen: aus gesundheitlichen, moralischen oder ökologischen Gründen. Dazu kommen die Speisevorschriften unterschiedlicher Religionen. All dies unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung für die Schul- und Gemeinschaftsverpflegung. Idealerweise ist die Schulkantine ein Ort für alle und SchülerInnen jeden Alters und jeglicher Herkunft gehen dort gerne miteinander essen. Längst finden sie dort geeignete Speisen, auch wenn sie eine (häufige) Lebensmittelallergie haben oder Vegetarier sind. Religiöse Vorschriften machen die Speisenauswahl komplizierter. Das zeigen bereits ein paar Beispiele wichtiger Weltreligionen.

Speisevorschriften der Weltreligionen

In Deutschland leben etwa vier Millionen Muslime. Für sie ist Schweinefleisch verboten (= haram), denn es gilt im Islam als unrein und dessen Verzehr als Sünde. Erlaubte (= halal) und bei uns übliche tierische Lebensmittel sind dagegen Fisch, Eier und die meisten Milchprodukte, auch Rind und Geflügel, wenn sie nach religiösen Vorgaben geschlachtet wurden.

Menschen jüdischen Glaubens machen weniger als ein Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Für Juden erlaubte Speisen heißen „koscher“. Schweine gehören nicht dazu, anderes Fleisch nur, wenn das Tier beim sogenannten Schächten vollständig ausblutet. Denn im Blut sitzt – nach jüdischem Glauben – die Seele. Milchiges und Fleischiges muss getrennt werden. Es darf daher nicht zusammen gelagert, zubereitet oder gegessen werden.

Noch weniger Deutsche geben an, Buddhisten (0,3 %) oder Hindus (0,1 %) zu sein, an manche Schulen gehen aber durchaus mehrere Kinder dieser Religionen. Beide meiden – kaum bekannt – Zwiebelgewächse. Buddhisten sind oft strenge Vegetarier, da sie es ablehnen, Lebewesen zu töten. Fleisch ist aber nicht generell verboten. Für Hindus ist es ein Sakrileg, eine Kuh zu töten, sie essen allerdings Fleisch von natürlich verstorbenen Rindern. Käse ist wie im Islam problematisch, wenn er mithilfe von tierischem Labenzym erzeugt wurde. Manchmal meiden Hindus auch Pilze und Honig.

Vegetarisch für alle ist auch keine Lösung

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen (61 %) sind Christen. Das Christentum kennt keine Verbote bestimmter Speisen, allenfalls den Verzicht auf Fleisch an Freitagen, Feiertagen und eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. In der übrigen Zeit spielen Fleisch und Wurst in Deutschland jedoch mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verzehr von rund 60 kg eine wichtige Rolle. Über die Hälfte entfällt auf Schweinefleisch, mit deutlichem Abstand folgen Geflügel, Rindund Kalbfleisch. Insbesondere Schweinefleisch gehört also genauso zur christlich geprägten deutschen Kultur, wie es in anderen Kulturen verboten ist.

Daran ändern auch die unterschiedlich motivierten Diskussionen um Fleischverzicht und der wachsende Markt für Fleischersatzprodukte kaum etwas: Für die große Mehrheit der Deutschen ist Fleisch positiv besetzt. Fleisch liefert hochwertiges Eiweiß, B-Vitamine, Eisen und weitere Mikronährstoffe. Gulasch, Schnitzel und Co einfach vom Speiseplan der Schulkantine zu streichen, kann zu einer Ablehnung der Schulmensa führen.

Die Lösung liegt also wie so oft in einem goldenen Mittelweg: Flexitarisch statt vegetarisch, Vielfalt statt Verbote, offen für wertvolle Anregungen anderer Esskulturen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt in ihren Qualitätsstandards für die Schulverpflegung an bis zu 8 von 20 Schultagen den Verzehr eines Fleischgerichtes.

Unsere Schulgemeinschaft, unser Weg

Eine glaubenskonforme Schulverpflegung umfasst die Auswahl und den Einkauf geeigneter Lebensmittel sowie deren – möglicherweise getrennte – Lagerung und Zubereitung. Die Anforderungen verursachen ggf. zusätzlichen Aufwand und Kosten. Ob und in welchem Umfang dies nötig ist, hängt wesentlich von der Struktur der Schulgemeinschaft ab: Wie viele SchülerInnen welcher Glaubensrichtung gehören dazu? Wie streng halten sie sich an ihre jeweiligen Speisevorschriften oder gibt es Kompromisse?

Bevor die Schulverpflegung überdacht wird, gilt es also den tatsächlichen Bedarf und die Wünsche aller Beteiligten, ggf. anonym, zu erfassen. Deren Ergebnis ist die Grundlage für weitere Schritte: Oft reichen fürs Erste kreative Ideen. Manchmal ergibt sich eine anspruchsvolle Aufgabe, die nur unter Beteiligung aller Akteure zu bewältigen ist.

Multikulti: Ein Buffet für alle

Das Thema betrifft alle, nicht nur die Verwaltung der Schulkantine. Es ist eng verknüpft mit anderen Ernährungsstilen, die heute im Trend sind. Jenseits der Schulmensa, auch im Sportverein, Jugendheim oder auf der privaten Party kommen Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen zusammen. Hier dient „ein Buffet für alle“ der Inklusion, erweitert den Horizont und bringt mehr Genuss für alle – ohne Diskriminierung.

Welche „typisch deutschen“ Komponenten dürfen auf so einem Buffet nicht fehlen? Was wünschen sich religiöse MitschülerInnen? Welche Rolle spielen Zusatzstoffe und Regionalität? Das Buffet kann eine bunte Mischung aus z. B. Lieblingssalaten aller Kulturen sein. Die Zutaten stehen getrennt zum Selbermischen parat. Alle Speisen gehören eindeutig beschriftet, auch bzgl. Allergien. Jeder sollte wissen, was drin ist, ohne sich stigmatisiert zu fühlen: Die Schilder nennen Zutaten, keine Religionen, und nutzen einen Farbkodex oder Symbole. Insgesamt bieten sich viele Ansatzpunkte, um ins Gespräch zu kommen – auch mit den Eltern – und ein Gespür für die Gefühle der anderen zu entwickeln.

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