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Ein Pilz bedroht die Esche

Ein Pilz bedroht die Esche

Forschungsansätze zum Stoppen des Eschentriebsterbens

Sie stirbt scheinbar unaufhaltsam aus: die Esche. Und das, obwohl sie seit Jahrhunderten bei uns heimisch ist. Der Grund: Eine Pilzkrankheit setzt den Eschen seit 15 Jahren zu und verursacht Eschentriebsterben. Forscher suchen fieberhaft nach Lösungen – nun gibt es Hoffnung.

Eine wertvolle Baumart

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) gehört in die Familie der Ölbaumgewächse, wie z. B. der Flieder. Sie kann mehr als 40 Meter Höhe erreichen, oft ist die Krone kugelrund. Ihr Stamm mit silbriger, aschgrauer Rinde wird bis zu zwei Meter dick. Unverwechselbar sind die samtschwarzen Knospen in Zwiebelform. Eschen sind in vielen Wäldern und regional als Straßen- und Stadtbaum verbreitet. Sie eignen sich für mehrere Standorte, solange sie ausreichend Nährstoffe bekommen. Man unterscheidet zwischen „Kalkesche“ und „Wasseresche“. Sie stehen an Fließgewässern und Steilhängen und befestigen diese.

Die Esche bietet zahlreichen Insekten und Pilzen einen wichtigen Lebensraum. Viele Wildtiere ernähren sich von ihren Zweigen. Blätter und Rinde sollen außerdem eine heilende Wirkung haben.

Das Eschenholz ist besonders zug-, biege- und stoßfest. Deshalb gilt es als sogenanntes Edellaubholz und wird als langlebiges Material für z. B. Turngeräte und Werkzeugstiele genutzt. Kurzum: Die Esche ist ökologisch und ökonomisch wertvoll. Doch nun ist ihre forstliche Zukunft ungewiss. Ein Pilz macht die Bäume krank und tötet ihre Triebe, weil viele Eschen erkranken und absterben.

Ein Pilz ist der Auslöser

Das Phänomen nennt sich „Neuartiges Eschentriebsterben“. Erreger ist der Schlauchpilz mit dem Namen „Eschenstengelbecherchen“, genauer die Form Chalara fraxinea des Pilzes Hymenoscyphus fraxineus. Er stammt aus Japan und verursacht an der dort heimischen Eschenart keinerlei Symptome. Vor 150 Jahren wurde er mit Eschen nach Estland eingeschleppt, aber erst 1992 wurden im Nordosten Polens Schäden an heimischen Bäumen festgestellt. Die Vermutung: Der Pilz schädigt europäische Eschen – und zwar stark, weil es keine Anpassung in der Evolution gab, das mitteleuropäische Klima den Pilz fördert und weitere Schädlinge die Eschen schwächen. Die Krankheit breitet sich stetig aus – an Eschen jeden Alters und an allen Standorten in Europa.

Der Pilz bildet an feuchten Tagen ab Anfang Juni weiße Fruchtkörper auf Eschenblattstielen in der Bodenstreu, wo er überwintert hat. Dieser setzt unzählige Sporen frei, die mit dem Wind hoch auf die Eschenblätter gelangen. Dort keimen sie und schädigen das Blattgewebe. Die Bäume stoßen die befallenen Blätter ab, sodass die Kronen schon im August nahezu kahl sind. Häufig dringt der Erreger zusätzlich in die Triebe vor, wodurch diese absterben. Auch die Rinde und das Holz nehmen Schaden und verfärben sich. Manche Eschen sind vital und fit genug, um die Verluste durch Ersatztriebbildung auszugleichen, aber auch sie sterben nach wenigen Jahren vollständig ab. Infizierte Eschen sind anfälliger für z. B. Fäulen am Fuß des Stammes (Nekrosen) und holzzerstörende Pilze wie Hallimasch und stürzen um.

Die Epidemie tritt so heftig auf wie kaum bzw. keine Baumkrankheit in unseren Wäldern vor ihr. Die Ausbreitung des Eschentriebsterbens wird bundesweit durch die forstlichen Versuchsanstalten beobachtet (Monitoring). Eine Lösung wird dringend benötigt.

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