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EU-Agrar-Subventionen: Wo unsere Steuergelder landen

Von den insgesamt 59 Milliarden Euro europäischer Agrarzahlungen gelangen jedes Jahr rund 6,3 Milliarden Euro nach Deutschland. Damit liegt die Bundesrepublik hinter Frankreich und Spanien auf dem dritten Rang der Länder mit den höchsten Zuwendungen aus dem europäischen Agrar-Haushalt. Doch das Geld kommt zu einem Großteil gar nicht bei den Bauernfamilien an, wie oft vermutet wird...

Die größten Einzelempfänger der europäischen Agrar-Subventionen sind Ministerien und Umweltverbände. An der Spitze der Einzelempfänger liegt das Landesamt für Umwelt in Potsdam. Mehr als zwanzig Millionen Euro hat die brandenburgische Umweltbehörde 2019 erhalten, teilt das Informationszentrum für die Landwirtschaft, proplanta, mit. Mit dem Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern, dem mehr als zehn Millionen Euro EU-Subventionen überwiesen wurden, liegt eine weitere Behörde auf einem der Spitzenplätze. Sie wird gefolgt vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der mit mehr als 8,6 Millionen Euro bezuschusst wurde.

Es folgen weitere Behörden, Verbände und große Erzeugergemeinschaften in Ostdeutschland. Einzelne Landwirte, also die typischen bäuerlichen Familienbetriebe, tauchen in der Empfängerliste der Agrar-Subventionen auf den hinteren Plätzen auf. „Lediglich 0,5 Prozent der Höfe in Deutschland bekommen so pro Jahr mehr als 300.000 Euro aus Brüssel“, schreibt proplanta.

Was in der Auflistung der Subventionsempfänger auch auffällt: Unter den Institutionen, die aus Brüssel die höchsten Zuwendungen erhalten, nimmt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen Spitzenplatz ein. Allein der Stiftung Nationales Naturerbe in Berlin fließen mehr als 1,8 Millionen Euro zu. Addiert man diese Zahlung mit den 347.396 Euro, die dem Nabu für „Basisdienstleistungen und Dorferneuerung“ in der Hauptstadt zufließen, und rechnet man die vielen weiteren Fördergelder hinzu, die den sechzig NABU-Empfängern bundesweit vor allem als „Basisprämien“ überwiesen werden, finanziert der Agrar-Haushalt die NABU-Aktivitäten mit knapp 3,9 Millionen Euro aus Steuergeldern. Damit erhalten die Umweltaktivisten mehr Geld aus dem Fördertopf für die Landwirtschaft als etwa die 180 Obstbauern, die in der Pfalzmarkt eG zusammengeschlossen sind, oder deren Kollegen von der Elbe-Obst-Erzeugerorganisation oder die Landwirtschaftsministerien in Baden-Württemberg und Thüringen.

Zu den Institutionen, die nichts oder nur wenig mit der Landwirtschaft zu tun haben, die aber dennoch mit Agrargeldern subventioniert werden, gehören z.B. auch der World Wide Fund For Nature, die Heinrich-Böll-Stiftung, das Deutsche Rote Kreuz, das Jugendherbergswerk in Chemnitz und Hamburg, ein Erlebnispark und ein Stuhlbaumuseum.

Wer sich mit dem Thema weiter befassen möchte, findet hier eine interaktive Karte mit den Top-Empfängern der Agrar-Subventionen in Deutschland.

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