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Färberkamille

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Begriff Definition
Färberkamille
Die Färberkamille ist eine ausdauernde Pflanze, die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und Gattung der Hundskamillen gehört. Es gibt ungefähr hundert weitere Arten dieser Gattung

Merkmale

Die Pflanze kann bis zu 80 cm hoch werden, besitzt einen verholzten Wurzelstock und fein gefiederte Blätter mit grau-weißer Unterseite. Der aufrechte Stängel ist filzig behaart. Auf einem Stängel steht meist nur ein körbchenförmiger Blütenstand, der einen Durchmesser von bis zu 4 cm erreicht. Die Blütenkörbchen enthalten goldgelbe Zungen- und Röhrenblüten. Blütezeit ist von Juni bis in den Spätherbst.

Herkunft

Färberkamille ist eine Färbepflanze, die von Süd- und Mitteleuropa bis Westasien heimisch ist und kultiviert wird. Sie ist kalkliebend und wächst auf trockenen, oft humus- und fein-erdearmen Steinböden, in Trockenrasen, an Wegrändern, auf Ödland, in Weinbergen und an verbuschten Orten.

Anbau und Rohstoffgewinnung

Der Anbau ist unproblematisch. Sie stellt kaum Ansprüche an den Boden und zieht stickstoffarme bis mäßig stickstoffreiche Böden vor. Zu viel Wasser ruft übermäßigen Blattwuchs zu ungunsten der Blütenbildung hervor. Schädlinge und Krankheiten treten nicht auf, abgesehen von gele-gentlichem Falschen Mehltau, der für die Nutzung der Pflanzenfarbe jedoch irrelevant ist.Beim landwirtschaftlichen Anbau erfolgt die Aussaat maschinell im August und September oder zeitig im Frühjahr flach in ein feinkrüme-liges Saatbett. In der Regel sind we-der Düngung noch Pflanzenschutz notwendig. Ein zu hohes Aufkommen von Unkräutern wird mit Maschinen-hacke, Striegel oder Egge bearbeitet. Die Ernte erfolgt mehrfach während der Blüte. Die Blütenstände werden im Großanbau maschinell mit einer Kamillepflückmaschine geerntet und sofort bei 40 C getrocknet. Der Er-trag an lufttrockenen Blütenständen beträgt etwa 20 bis 25 dt / ha.

Nutzung als Rohstoff

Die Pflanze dient als Farbstofflieferant. Hauptfarbstoffe der Pflanze sind Luteolin, Apigenin und Quercetagenin, die in den Blütenköpfen und schwächer auch in den Blättern stecken. Mit ihnen werden Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide in einem kräftigen, warmen Gelb gefärbt. Die Färberkamille gehört zu den Beizenfarbstoffen, d.h. die Farbstoffe ziehen nicht direkt in die Faser ein, sondern brauchen für ein kräftiges gutes Farbergebnis Beizen als Brücke zur Verbindung zwischen Faser und Farbstoff. Das Beizen erfolgt vor der Färbung. Mit verschiedenen Beizen (z.B. Alaun oder Weinstein) können unterschiedliche Farbnuancen erzielt werden. Die Färbungen zeichnen sich durch eine gute Licht- und Waschechtheit aus. Färbepflanzen werden in Deutschland seit Entdeckung synthetischer Farbstoffe im 19. Jahrhundert kaum noch angebaut. Seit gut 20 Jahren erleben sie jedoch eine Renaissance aus Nach-haltigkeits- und Umweltgründen: Sie erhöhen die Biodiversität auf land-wirtschaftlichen Flächen, bereichern die Kulturlandschaft, Färbeprozesse erzeugen geringere Gewässerbelastung und die Farben lösen kaum Allergien und Unverträglichkeiten aus.

Informationsmaterial: 3-Minuten-Information Färberkamille

 

 

Synonyme: Ackerkamille ,Johannisblume

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